Wer sein Werkzeug liebt pflegt es – Stanley Hobel aufarbeiten

Ich habe mir nach langem endlich einen Handhobel gekauft.

Wenn man mehr und mehr mit Voll-Holz arbeitet kommt man meiner Meinung nach nicht um die Anschaffung eines Hobels herum.

In meinen letzten Projekten konnte ich schon ein wenig Erfahrung damit sammeln.
Vorderzange nachrüsten
Wie man einen Zangenschlüssel herstellt
Müllsackspender bauen

Ich bin sehr zufrieden damit und der Hobel ist eine ideale Ergänzung neben Sägen und Schleifpapier.

Außerdem ist die Bedienung echt einfach.

Bisher hatte ich jedoch noch gar keine Gelegenheit, mich mit dem guten Stück richtig vertraut zu machen.

Also nutze ich die Gunst der Stunde und werde das gute Teil gleich etwas aufarbeiten.

Aufbau und Teile eines Handhobel

Ich mache das gerne, so wird man viel vertrauter mit seinen Maschinen und Werkzeugen und erfährt mehr über die Funktionsweise.

Nun aber ein paar Infos zu dem guten Stück.

Ich habe mir einen Stanley No.5 ½ zugelegt.

Die Nummer des Hobels sagt etwas über die Größe aus, in meinem Fall steht die No.5 ½ für einen breiteren Bankhobel.

Wer genauere Infos zum Aufbau oder zur Funktion und Verwendung haben möchte, der kann gerne hier nachschauen.
Eisenhobel Techniken und Aufbau
Allgemeins
Eisenhobel Aufbau

Außerdem gibt es gefühlt noch 29.347 Seiten die über Google zu finden sind.

Nun aber zum eigentlichen Thema.

In diesem Zustand habe ich den Hobel erhalten

Da ist noch einiges an Dreck vom Vorbesitzer drauf

Hobel zerlegen

Als erstes verschaffe ich mir einen Überblick in zusammengebautem Zustand.

Ich mache immer bevor ich ein Werkzeug zerlege Fotos und Notizen, das erleichtert später den Zusammenbau.

Als Nächstes zerlege ich den Hobel in seine Einzelteile.

Dabei achte ich auf Einzelheiten.

Beispielsweis ob eine Schraube besonders fest oder locker sitzt, ob ein Schraubenkopf abgenudelt ist.

Oder ob Teile fehlen.

Das kann einiges über den Vorbesitzer aber auch über die Funktion selbst aussagen.

Lockere oder abgenudelte Schrauben wurden wahrscheinlich sehr häufig genutzt und müssen daher eine wichtige Funktion erfüllen.

Daher sollte man besonders darauf achten, diese Schrauben nicht zu beschädigen.

Auch während der Demontage mache ich immer wieder Fotos, um beim späteren Zusammenbau Referenzen zu haben.

So ein Hobel besteht aus mehr Teilen als man am Anfang glaubt

Hobelkörper schleifen und Ecken abrunden

Nun zum Hobelkörper, hierauf werden später alle Teile befestigt.

Damit der Hobel bei der späteren Arbeit besser in der Hand liegt und ich mich nicht verletze, breche ich die Kanten mittels Feile und runde diese ab.

Ich runde auch die unteren Kanten vorne und hinten ab, damit beim späteren Gebrauch, das Holz nicht beschädigt wird.

Danach werden alle Berührungspunkte des Hobelkörpers mit dem Frosch gereinigt und geschliffen.

Dadurch soll später ein reibungsloses Verstellen möglich sein.

Dazu schleife ich die Auflagen, soweit zugänglich, mit einer kleinen Feile glatt.

Achtung hierbei nicht zu viel Material abtragen da sonst der Frosch nicht mehr richtig sitzen könnte.

Danach werden noch die Stirnseiten gereinigt und grober Schmutz, in meinem Fall Lackspritzer, entfernt.

Unter warmen Wasser wird der Hobelkörper nun abgespült und anschließend getrocknet.

Als Schutz vor Rost und als Pflege reibe ich den Hobelkörper nun noch mit Silbergleit ein.

Man könnte auch Wachs oder Öl verwenden, Hauptsache geschützt vor Rost.

Die Auflagen für den Frosch müssen glatt und Rostfrei sein, um ein müheloses gleiten möglich zu machen

Für ein besseres Gefühl in der Hand, werden die Kanten gebrochen

Für ein besseres Gefühl in der Hand, werden die Kanten gebrochen

Das Hobelmaul und die zweite Auflage des Frosches werden auch gereinigt

Die Stirnseiten erstrahlen in neuem Glanz

Etwas Schleifpapier und die Stirnseiten sehen gleich besser aus

Der fertig gereinigte Hobelkörper, kein Vergleich zu vorher

Kleinteile aufarbeiten

Bei alle Schrauben und Beilagscheiben entferne ich mittels Feile die Grate und Überstände, diese sind durch den Jahrelangen Gebrauch etwas in Mitleidenschaft gezogen worden.

Danach reinige ich die Schrauben mittels Feinbohrschleifer und Drahtbürsten Einsatz.

Dadurch werden die Schrauben nicht beschädigt, die Gewinde aber wieder schön freigängig.

Jetzt kommen wir zur Verschlusskappe, diese reinige ich nur mit warmen Wasser und Öle den Mechanismus.

Da sich die verchromte Oberfläche (zumindest denke ich, dass es eine ist) löst, möchte ich nicht zu viel machen.

Die Schrauben sehen nicht wesentlich besser aus

Durch den vielen Schmutz und die Ablagerungen wird das Einstellen erschwert

Mit der Drahtbürste lassen sich Verunreinigungen leicht entfernen

Das Ergebnis lässt sich sehen

Frosch reinigen

Als nächste kommt der Frosch an die Reihe.

Komischer Name, ich habe keine Ahnung wieso der so heißt.

Falls du es weißt, schreibs mir doch in die Kommentare.

Auf dem Frosch wird das Hobeleisen befestigt und die Spandicke sowie der Winkel des Hobeleisens eingestellt.

Als erstes reinige ich ihn unter warmen Wasser.

Dann schleife ich die Auflageflächen zwischen Frosch und Hobelkörper sowie zwischen Frosch und Hobeleisen auf dem Wasserstein.

Das soll ebenfalls ein späteres Einstellen erleichtern.

Auch hier solltest du darauf achten, nicht zu viel abzuschleifen.

Zum Schutz wird der Frosch wieder mit Silbergleit eingerieben.

Der Frosch macht auch keinen besseren Eindruck. Hier kommt noch zusätzlich das Problem von Rost dazu.

Auch der Frosch ist nach der Reinigung nicht wieder zu erkennen

Die Auflagen wurden etwas geschliffen

Spanbrecher und Hobeleisen

Als nächstes widme ich mich dem Spanbrecher und dem Hobeleisen.

Daran werde ich nicht groß etwas bearbeiten.

Lediglich den feinen Rost entferne ich mittels Schleifpapier.

Das Hobeleisen muss ich auch nicht schärfen, das es in sehr gutem Zustand ist und frisch geschärft wurde, bevor ich es gekauft habe.

Der Spanbrecher sieht aus wie neu.

Dazu das Bild vor und nach der Rostentfernung.

Im direkten Vergleich sieht man erst, wie dreckig der Spanbrecher war

So sieht er doch gleich viel besser aus

Der Herstellerstempel ist gut zu erkennen

Eisen und Spanbrecher können wieder glänzen

Griffe aufarbeiten

Nun zu den Griffen.

Hiervon gibt es zwei Stück.

Ich entferne mit einem Messer die Lackrückstände und schleife danach das Holz glatt.

Leider ist der vordere Knauf viel dunkler, was wahrscheinlich von der Beize oder dem Lack kommt.

Ich entscheide mich trotzdem die Griffe im Anschluss nur zu Ölen.

Vielleicht fertige ich zu einem späteren Zeitpunkt die Griffe neu.

Bis dahin lasse ich aber die Griffe so.

Gerade das ist das Schöne an einem eigenen Werkzeug, es hat einen eigenen Charakter, kleine Macken und ist nicht gleich einem anderen.

 

Der Lack ist schon stark abgerieben

der Lack ist entfernt un das Holz kommt zum Vorschein

beide Griffe nach dem Ölen

Zusammenbau und Einstellen des Hobels

Nun kommen wir zum schönen Teile, dem Zusammenbau.

Vor dem Zusammenbau Öle ich nun alle Teile einmal ein.

Das dient zum Schutz vor Rost.

Bei eigentlichen Zusammenbau sollte man unter anderem speziell auf den Sitz des Frosches achten.

Der sollte bündig in einer Linie mit der Hinterkante des Hobelmauls sein.

Das überprüfe ich mittels Lineal.

Danach ziehe ich alle Schrauben fest.

Der Frosch wird eingestellt

Die Position lässt sich durch eine Schraube ändern

Nun befestige ich die Griffe und setze das Hobeleisen ein.

Achtung beim Einsetzen, so kann ein scharfes Eisen noch vor dem ersten Gebrauch wieder stumpf werden.

Nun noch die Verschlusskappe.

Hier ziehe ich die Schrauben nur leicht mit den Fingern fest.

Danach schließe ich die Kappe und test ob sie fest genug aber nicht zu fest sitzt.

Diese sollte das Hobeleisen gut halten aber ein leichtes verstellen noch ermöglichen.

 

Was für ein Unterschied zu vorher

Die Fase des Eisens muss auf der Unterseite sein

Der Hobel ohne Eisen

Fertig zusammengebauter Hobel

 

Nun zum einstellen des Hobeleisen.

Hierzu drehe ich den Hobel um und setze ihn mit der Hinteren Seite auf eine helle Oberfläche.

Nun drehe ich am Einstellrad bis das Hobeleisen gerade aus dem Hobelmaul schaut.

Nun verstelle ich mittels Hebel den Winkel und stelle so das Hobeleisen parallel zur Hobelsohle ein.

Die Feineinstellung mache ich dann nochmal beim Probehobeln.

 

Vor dem hellen Hintergrund, kann das Eisen gut eingestellt werden

Die Schiefstellung ist klar zu erkennen

Das Eisen ist schön parallel zur Hobelsohle

Eisneitig wird mehr Material abgenommen

Das Material wird gleichmäßig mittig abgenommen

Hierzu setze ich den Hobel auf das Holz auf und Bewege diesen immer wieder vor und zurück.

Während der Bewegung drehe ich das Eisen immer weiter heraus, bis ich das erste Material vom Holz abnehme.

Dabei schaue ich auf das Maul, ob an einer Seite mehr abgenommen wird.

Nun kann ich den Winkel des Eisens nochmal korrigieren.

Und fertig ist der fast neue Hobel.

Fazit

Für mich ist der Hobel nicht mehr wegzudenken.

Mit dem Hobel lassen sich perfekt die Arbeitsschritte zwischen sägen und schleifen durchführen.

Außerdem lassen sich verschiedene Materialstärken von einem Werkstück abnehmen.

Somit kann man schnell und einfach Teile einpassen oder glätten.

Beim nächsten Mal würde ich jedoch eine kleinere Variante für den Anfang wählen.

Aber der nächste Werkzeugkauf kommt bestimmt.

Also ab in die Werkstatt und drauf los hobeln, es gibt genug zu tun.

Michael